Künstler Manfred Scharpf besucht seine Ausstellung

Am Sonntag, den 17. Mai, war Internationaler Museumstag, und das Diözesanmuseum Bamberg war das einzige der Bamberger Museen, das an diesem Tag bereits wieder geöffnet hatte. Wer an diesem Tag das Diözesanmuseum besuchte, konnte dort den Künstler Manfred Scharpf persönlich mit seiner Familie antreffen.

Manfred Scharpf und Renata Scharpf-Tejova vor dem Werk „Nefertiti – Die Schöne kommt!“ von 2020. © Diözesanmuseum Bamberg

Besonderes Interesse fand dabei die seit dem ersten Öffnungstag am Freitag, den 15. Mai, präsentierte Sonderausstellung „Blind Date mit den Farben des Lebens“, in der 20 Werke des Allgäuer Künstlers Manfred Scharpf zusammengestellt sind. Es handelt sich vornehmlich um Gemälde, die in den letzten drei Jahren entstanden sind: Eine erste Einheit bilden die Arbeiten des Pavlov-Zyklus, in denen sich Manfred Scharpf mit der eiszeitlichen Fundstätte von Pavlov/Tschechien auseinandersetzt und über 27.000 Jahre hinweg eine „Brücke über Zeit“ herstellt, indem er u.a. die aus der Fundstätte stammenden Lehmerden als Malpigmente seiner Bilder verarbeitet.

In Kontrast zu deren zurückhaltender erdiger Farbigkeit steht eine zweite Werkgruppe, die in Zusammenarbeit mit dem Pariser Streetart-Künstler DenEnd (Denis Lacroix) entstand und in der die feinmalerisch-plastischen Partien von Manfred Scharpf, in altmeisterlicher Manier mit historischen Pigmenten gemalt, in gelungenem Kontrast zu den leuchtenden Farbflächen von DenEnd, ausgeführt mit dem Edding-Stift, stehen.

Eine dritte Werkgruppe schließlich zeugt von der aktuellen Auseinandersetzung von Manfred Scharpf mit Schlüsselwerken der Kunstgeschichte, so mit der berühmten Nofretete im Neuen Museum in Berlin, wobei hier nicht die Originalbüste, sondern eine farblose, schwarze Tastskulptur für Blinde den Ausgangspunkt bildet, die sich unter den Händen der kleinen Tochter des Künstlers in ein von leuchtenden Farbpartikeln bedecktes Werk verwandelt. Ein Zeugnis der – auch geistig-philosophischen – Auseinandersetzung Manfred Scharpfs mit Leonardo da Vinci bildet schließlich ein Doppelbildnis, das ein nur äußerst fragmentarisch erhaltenes Salvator-Mundi-Gemälde des berühmten Renaissance-Künstlers zum Ausgangspunkt nimmt, dieses rekonstruiert, aber dabei auch Elemente des Heute einfließen lässt.

von Holger Kempkens