Manfred E. Scharpf: "Revelatio - Das Heben des Schleiers"

Sonderausstellung im Diözesanmuseum

"Beatrice - Weg aus dem Dunkel" 2011 - 2013 (Flügelretabel, hier innen) © msch

Die Tafelgemälde von Manfred Scharpf (*1945) zeichnen sich durch eine altmeisterliche, feinmalerische Raffinesse aus, die in bewusster Weise kontrastiert mit den inhaltlichen Darstellungen, die höchst aktuelle Themen unserer Zeit aufgreifen. Seine Bilder, die sich gegen die entwürdigenden Absurditäten unserer Zeit richten, sieht er als eine Art 'Qualitätssicherung des Menschlichen'. Im Zentrum der Ausstellung steht dabei das Flügelretabel 'Beatrice - Weg aus dem Dunkel', auch 'Neuer Wurzacher Altar' genannt, das auf die Flügelgemälde des 'Wurzacher Altares' von Hans Mutschler (1437) Bezug nimmt, diese aber mit völlig neuem, gesellschaftskritischen Inhalt füllt. Um dieses zentrale Werk gruppieren sich weitere Arbeiten, die teilweise in Kloster Ebrach mit jugendlichen Strafgefangenen erarbeitet wurden.

Die Arbeiten des Manfred E. Scharpf richten sich vor allem an jene, für die Malerei mehr ist als nur ein Programmpunkt narzisstischer Selbstbespiegelung. Seine drastischen oder mehr noch grotesken Motive in wertvollen Maltechniken entschleiern die Scheinwelt einer "offenen" Konsumgesellschaft", deren Freiheit aber nur sich selbst bedient. Mit einer Ironie, die auch vor ihm selbst nicht haltmacht, kontempliert er die "illusionäre Verkennung der Wirklichkeit" - in der Psychoanalyse ein zentrales Symptom von "Amentia". Diese findet ihren zerstörerischen Ausdruck neben anderen auch im ununterbrochenen Bilderstrom von Medien und Werbung, der sich stetig selbst überfärbt und löscht. In dieser pathologischen Verwirrung verschwindet die Kenntnis dessen, was war und was wir waren und aus dem wir lernen könnten. Was bleibt sind die Bilder der Kunstgeschichte, deren essentielle geistige Botschaften den mordernen Menschen aber oft nicht mehr erreichen. Der Maler stellt unsere Utopien, unseren "Garten der Lüste" mit einer Bildersprache nach außen, die das gesamte Spannungsfeld der Existenz umfasst und die auch in Zukunft verstanden wird.

Beatrice - Weg aus dem Dunkel (2011 - 2013)

Die Bilderzyklen des Manfred Scharpf setzen sich mit Themen unserer Zeit auseinander. Er schafft damit ein Kompendium der Verstörungen, der Süchte und Hoffnungen, die uns bewegen und lähmen - und bringt gleichzeitig das Kraftpotential mittelalterlicher Altäre nahe. Mit den Mitteln der Vergangenheit führt der Maler unser Zeitalter vor Augen, zeigt die Wesenszüge, die für unsere Ära bestimmend sind. Schon allein die formale Konzeption eines Flügelaltars wirkt in unserer Zeit der augenblicklich abrufbaren, virtuellen Information provokativ. Denn das Werk kann nur im Vorgang der Öffnung in seiner Komplexität erfahren werden - erst mit diesem rituellen Akt entfaltet sich sein gesamtes Potential. Wir spüren plötzlich, im Innen und Außen des Werkes spiegelt sich unsere eigene Innen- und Außenwelt.

"Beatrice - Weg aus dem Dunkel" nennt der Maler sein wohl größtes Werk. Er übernimmt Maße und inhaltliches Programm dem berühmten gotischen Wurzacher Altar von Multscher. Die theologischen Themen dieses mittelalterlichen Flügelaltars - "Marienlegende" (außen), "Passion Christi" (innen), versetzt er in unsere Zeit - das im gotischen Werk fehlende Zentralbild ersetzt und widmet er der "Humanitas". Auch Dantes Inferno bildet einen Teil des Hintergrundes, aus dem das Werk innerhalb von zwei Jahren entstand.

  • Diözesanmuseum
  • Domplatz 5, 96049 Bamberg
  • (09 51) 502-2502